Ein ausverkauftes Aachener Hauptstadion, zehntausende Zuschauer und mittendrin vier deutsche Springreiter, die über mehrere Tage hinweg eine beeindruckende Leistung nach der anderen ablieferten. Am Ende stand der größte gemeinsame Erfolg: WM-Gold für Marcus Ehning mit Coolio, Sophie Hinners mit Iron Dames Singclair, Daniel Deußer mit Otello de Guldenboom und Richard Vogel mit United Touch S. Zum ersten Mal seit 2010 ist Deutschland damit wieder Mannschafts-Weltmeister im Springreiten.
Sieben von acht Runden ohne Abwurf
Schon auf dem Weg ins Mannschaftsfinale hatte sich angedeutet, wie stark die deutsche Equipe in Aachen unterwegs war. Nach den ersten beiden Prüfungen führte das Team von Bundestrainer Otto Becker die Wertung an. Besonders bemerkenswert war dabei die Konstanz: In den ersten beiden Tagen blieben sieben der acht deutschen Runden ohne Hindernisfehler.
Und auch im entscheidenden Mannschaftsfinale am Freitagabend hielten die Deutschen dem enormen Druck stand. Marcus Ehning und Coolio legten erneut eine Nullrunde vor. Auch bei WM-Debütantin Sophie Hinners und Singclair blieb jede Stange liegen, lediglich ein Zeitfehler kam auf das Konto des Paares.
Dann waren Daniel Deußer und Otello de Guldenboom an der Reihe – und machten den Titel perfekt. Mit ihrer fehlerfreien Runde stand bereits vor dem Ritt von Schlussreiter Richard Vogel fest: Deutschland ist Mannschafts-Weltmeister! Vor rund 40.000 Zuschauern durfte die deutsche Equipe damit ausgerechnet bei der Heim-WM einen ihrer größten Erfolge der vergangenen Jahre feiern.
Marcus Ehning wird 16 Jahre später wieder Weltmeister
Für Marcus Ehning dürfte der Erfolg eine ganz besondere Bedeutung haben. Bereits 2010 gehörte er zum deutschen Team, das bei der WM in Kentucky Gold gewann. 16 Jahre später gelang ihm dieses Kunststück nun noch einmal. Und diesmal vor heimischem Publikum in Aachen.
Mit Coolio präsentierte sich der Routinier dabei über die gesamte WM hinweg in herausragender Form. Ebenso beeindruckend: Sophie Hinners ließ sich bei ihrer ersten Weltmeisterschaft kaum etwas von der großen Kulisse anmerken und lieferte mit Singclair Runde um Runde ab.
Auch Daniel Deußer und Otello erwiesen sich als wichtige Stütze des Teams. Richard Vogel und United Touch komplettierten das goldene Quartett.
Nach Team-Gold lockten auch im Einzel die Medaillen
Wie stark die deutschen Paare in Aachen unterwegs waren, zeigte sich auch mit Blick auf die Einzelwertung. Vor dem abschließenden Finale am Sonntag befanden sich gleich mehrere Deutsche in aussichtsreicher Position.
Daniel Deußer ging sogar gleichauf mit dem Schweizer Steve Guerdat an der Spitze der Wertung in die Entscheidung. Marcus Ehning lag auf Rang vier, Sophie Hinners unmittelbar dahinter. Die Chance auf eine weitere deutsche WM-Medaille war also groß. Im Finale zeigte sich dann jedoch einmal mehr, wie schnell sich im Springreiten das Blatt wenden kann.
Keine Einzelmedaille – aber drei Deutsche in den Top Ten
Die Stangen, die zuvor so zuverlässig liegen geblieben waren, fielen ausgerechnet in den beiden entscheidenden Umläufen.
Daniel Deußer und Otello beendeten die Weltmeisterschaft schließlich als bestes deutsches Paar auf Rang sechs. Direkt dahinter folgten Marcus Ehning und Coolio auf Platz sieben. Und auch Sophie Hinners gelang bei ihrem WM-Debüt mit Rang neun der Sprung unter die besten Zehn der Welt.
Richard Vogel und United Touch, die als amtierende Europameister ebenfalls zu den großen deutschen Hoffnungen gezählt hatten, beendeten die Einzelwertung auf Rang 22.
Der Einzel-Weltmeistertitel ging an Steve Guerdat und Dynamix de Belheme. Silber sicherten sich der junge Belgier Thibeau Spits und Impress-K van't Kattenheye Z, Bronze gewann der Brite Harry Charles mit LT Holst Freda.
Eine WM, die trotzdem auch im Springen ein Zeichen für den deutschen Pferdesport setzt
Natürlich hätten sich die deutschen Springreiter nach ihrer starken Ausgangslage auch im Einzel über eine Medaille gefreut. Doch die Bilanz dieser Heim-WM schmälert das kaum.
Drei deutsche Paare unter den besten Zehn der Welt und vor allem der Mannschafts-Weltmeistertitel vor heimischer Kulisse: Das deutsche Quartett hat in Aachen eindrucksvoll gezeigt, wie viel Qualität derzeit im deutschen Springsport steckt. Marcus Ehning, Sophie Hinners, Daniel Deußer und Richard Vogel dürfen Aachen 2026 als Weltmeister verlassen – und das nach 16 Jahren Wartezeit auf deutsches Mannschafts-Gold. Der größte Erfolg gehörte so eben nicht einem Einzelnen. Er gehörte einem Team.












