Das sagt die klassische Trainerin zum Schulterherein
Ich lehre das Schulterherein auf vier Hufpisten nach dem portugiesischen Reitmeister Nuno Oliveira. Vor- und Hinterhand des Pferdes kreuzen und das jeweils innere Hinterbein tritt seitwärts und nach vorne unter den Schwerpunkt. Dafür wird das Pferd um den inneren Schenkel leicht gebogen; die äußeren Zügel- und Schenkelhilfen sind verwahrend und helfen dem Pferd, mit der Schulter vom Hufschlag wegzukommen. Der innere Zügel gibt die Stellung und wirkt nachgebend. Das junge Pferd unterstütze ich mit dem Gewicht von einem Pfund Butter im äußeren Steigbügel, um es dazu aufzufordern, seitlich unter den Schwerpunkt zu treten. Als Reiter bleibe ich aber gerade in seiner Mitte sitzen und drehe nur meine innere Schulter parallel zur Schulter des Pferds. Die Koordination der Hilfen ist für den Reiter erstmal anspruchsvoll. Ein gut gerittenes Schulterherein nehmen die Pferde dankbar an, weil es sich für sie gut anfühlt. Neben dem gymnastischen Aspekt für das Pferd ist auch die psychologische Wirkung erstaunlich: Das Schulterherein fördert die Konzentration und bringt schreckhafte Pferde zurück zum Reiter. Nicht umsonst bezeichnete Nuno Oliveira diese wichtige Lektion als das "Aspirin der Reitkunst”.

Kathrin Brunner-Schwer ist Trainerin und ehemalige Schülerin von Sue Oliveira, Nuno Oliveiras rechter Hand.
Das sagt der FN-Experte zum Nutzen von Schulterherein
Das Schulterherein auf drei Linien ist eine komplexe Lektion, die selbst in der M-Dressur oft nicht richtig gezeigt wird. Der häufigste Fehler ist, das Pferd seitwärts schieben zu wollen. Das gerittene Pferd wird immer versuchen, sich mit dem Reiter ins Gleichgewicht zu bringen. Die sinnvolle Hilfengebung ist deshalb das Langmachen des äußeren, verwahrenden Schenkels aus der Hüfte heraus, weil dann leicht vermehrter Druck auf dem inneren Gesäßknochen erfolgt. Der innere Schenkel muss vorne am Gurt liegen und stellt die Längsbiegung her. Der Oberkörper des Reiters bleibt gerade und in Bewegungsrichtung, also Richtung Hufschlag gerichtet. Das Pferd folgt dann den Augen des Reiters. Als Vorbereitung für das Schulterherein eignet sich eine Volte, da die diagonale Hilfengebung – innerer Schenkel, äußerer Zügel – optimal vorbereitet wird. Auch ein Schultervor, bei dem das innere Hinterbein zwischen den Vorderbeinen fußt, zählt zur geraderichtenden Biegearbeit und kann zur Vorbereitung dienen. Warmblutpferde können aufgrund ihres längeren Mittelstücks die Abstellung über die Längsbiegung erreichen. Bei kurzen Pferden ist die Längsbiegung teilweise schwierig; dann ist ein Schulterherein auf drei Linien nicht möglich.

Michael Putz ist FN-Ausbilder und Fachbuchautor. Er war Turnierrichter und Leiter der Westfälischen Reit- und Fahrschule Münster.
Das sagt die Légèreté-Ausbilderin
Das Schulterherein kann in der Eçole de Légèreté auch im Leichttraben geritten werden. Dann steht der Reiter mit dem Vorschwingen des inneren Vorderbeins auf. Bei dieser Ausführung kommt die Schenkelhilfe in dem Moment, in dem das innere Hinterbein vortritt und mobilisiert es Richtung Schwerpunkt des Pferds. So geritten, dient das Schulterherein der Geraderichtung beim jungen Pferd. Auf der Zwangsseite versuche ich, mit mehr Biegung und weniger Abstellung zu reiten – auch mal auf vier Linien –, während ich auf der hohlen Seite mehr Abstellung und weniger Biegung verlange. Die Hilfengebung nach der Légèreté sieht vor, dass der Reiter in die Bewegungsrichtung sitzt. Ich bin da pragmatisch: Je nachdem, wo das Pferd unterstützt werden muss, helfe ich durch die minimale Verlagerung meines Gewichts. Meine Schüler lasse ich das Schulterherein am liebsten erstmal auf gerader Linie reiten. Denn auf der Zirkellinie ist es für die Pferde oft leicht, sich über die äußere Schulter zu entziehen. Für den Reiter ist es unheimlich schwierig, dies zu korrigieren. Später ist das korrekte Schulterherein auch auf gebogenen Linien möglich.

Katja Lauer ist Pferdewirtschaftsmeisterin und lizensierte Reitlehrerin der Schule der Légèreté.












